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Der Ruf Deiner Sehnsucht

Eine innere Stimme erhebt ihren erhabenen Gesang

Veränderung beginnt, wenn Deine innere Stimme danach ruft.  Manchmal flüstert sie Dir zu, manchmal ist es eine innere Bewegung oder ein Zufall. Manchmal fragst Du unvermittelt „Gott“ um Rat. In diesem Moment erscheint Dein Leben plötzlich nicht mehr ganz „stimmig“. Etwas Neues, Großes, scheinbar Unbekanntes verlangt nach Deiner Aufmerksamkeit.

Geschichten der Welt machen menschliche Entwicklung begreifbar, verbildlichen was in uns stattfindet. Da muss ein Ring vernichtet werden, eine ewige Liebe gewonnen sein oder eine epische Schlacht verlangt Deine Stärke.

Für den Mythenforscher Joseph Campbell (1904 – 1987) zeigt der Ruf auf den Beginn des Abenteuers.

Der Weg führt hinaus aus der bekannten und vertrauten Welt in das unbegrenzte, freie, gefahrvolle Leben. Dort draussen muß sich Mensch beweisen.

Wir müssen diese Geschichten nicht mit dem Verstand begreifen. Ihre Botschaft erschließt sich intuitiv, weil wir in den archetypischen Ereignissen, Protagonisten, Bildern und Symbolen unsere eigenen seelischen Prozesse, Kräfte und Bewegungen wiedererkennen. Dieses Wiedererkennen geschieht in den Tiefenschichten des Unbewussten. Dort ist uns auch ohne rationale Analyse klar, was ein Drachen, eine Hexe oder ein Schwert bedeutet. Wir wissen, was uns Prinzessinnen, Zauberer, Goldschätze oder Brunnen sagen wollen. Auf der Handlungsoberfläche erzählen Heldenreisegeschichten von so verschiedenen Heroen wie Harry Potter, Parzival, Luke Skywalker, Jack Sparrow, Odysseus oder Frodo Beutlin. In ihrer archetypischen Tiefenstruktur aber werden stets nur wir erzählt: Unsere innersten Kämpfe und Nöte, unsere Fegefeuer, Niederlagen und Siege, das ganze Drama der Individuation, der Entfaltung oder Verhinderung unserer Fähigkeiten, Anlagen und Möglichkeiten. (BR 2, Podcast “Die Heldenreise, Typologie einer Erzählung”, Auto: Si-
mon Demmelhuber)

Autorin: Ninon Hensel
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Inhalt:

Der Ruf Deiner Sehnsucht als Einladung
Dein Herzenswunsch als Kompass
Die Schwelle zum Abenteuer
Eine Kraftquelle

Der Ruf Deiner Sehnsucht als Einladung

Der Ruf entsteht in unserem tiefen Inneren und tritt selten bequem in unser Leben. Häufig wird er durch äußere Ereignisse ausgelöst – eine Krise, ein Verlust, eine unerwartete Chance. Oder er wächst still in uns, bis er nicht mehr überhört werden kann. Manchmal ist der Ruf auch die Erinnerung an eine Form von Lebendigkeit und Verbindung, die verloren gegangen ist. In jedem Fall stört er ein bestehendes Gleichgewicht.

Was zuvor getragen hat, beginnt zu wanken. Gewohnte Muster verlieren ihre Selbstverständlichkeit. Genau darin liegt seine Kraft: Der Ruf zeigt uns, dass das Alte nicht mehr ausreicht. Er ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern eine Einladung, den eigenen Horizont zu erweitern.

Und doch ist dieser Moment oft von Ambivalenz geprägt. Neben der Neugier steht die Angst vor dem Ungewissen. In der Logik der Heldenreise folgt auf den Ruf nicht zufällig die Weigerung. Ein innerer Teil hält fest am Bekannten, sucht Sicherheit, vermeidet Risiko. Dieses Zögern ist kein Zeichen von Schwäche – sondern Ausdruck unserer tiefen, menschlichen Schutzmechanismen.

Dem Unausweichlichen gewachsen sein, ist die Weisheit des Lebens. Das Unbewusste allein, das alles weiß und sinnbildlich in sich bewegt, uns aber als Person davon nur soviel sehen lässt, als wir verdienen; wenn wir ihm zu lauschen vermögen, und nicht viel mehr, als wir bedürfen, um unseren Weg durch die unausweichlichen Gehalte des Lebens zu wandeln, – das Unbewusste allein ist allem gewachsen. Es ist das alterslose Ganze, dem nichts Neues geschieht, was auch mit uns geschehe, und das dem Gange des Ich zuschaut wie die kummerlose Natur dem Aufblühen und Vergehen ihrer Geschöpfe. (H. Zimmer, Indische Sphären, 155)

ruf deiner sehnsucht

Der Herzenswunsch als Kompass

Oft kommen Menschen mit einem konkreten Anliegen zur Held:innenreise: ein Symptom soll verschwinden, ein Problem gelöst werden. Doch hinter diesem Wunsch liegt häufig eine noch viel tiefere Bewegung.

The calling is the echo of the arrival. (Thomas Hübl)

Der Herzenswunsch als Ruf weist über das Offensichtliche hinaus. Er beschreibt weniger ein äußeres Ziel als einen inneren Zustand, ein Entwicklungsbedürfnis und ein „So-Sein“, das im Grunde bereits angelegt ist. Viele therapeutische Ansätze, und auch die Arbeit von Paul Rebillot, verstehen den Ruf als Zugang zu einer bereits vorhandenen Ressource.

Der Ruf aus unserer Tiefe führt uns nicht nur zu äußeren Veränderungen, sondern vor allem zu einer inneren Ausrichtung. Was ist mir wirklich wichtig? Wonach sehne ich mich, jenseits von Erwartungen, Rollen und Anpassung? Was ist mein tiefster Herzenswunsch?

Wenn die Frage ernsthaft bewegt wird, öffnet sie einen tiefen Raum. Der nächste Schritt in unserer Entwicklung wird lauter und kann angehört werden. Das Entwicklungsbedürfnis schafft Klarheit und Orientierung. Es ist ein Katalysator der Prozessenergie bündelt. Der Prozess und die Ausrichtung bekommen Kraft.

Der Ruf unseres Herzens kann nicht von außen beantwortet werden. Er entsteht in uns und er entfaltet seine Kraft dort, wo wir beginnen, uns selbst ernst zu nehmen.

Was wünscht Du Dir für Dein Leben? Was ist Dein Ruf zu Deiner Held:innenreise?

Die Schwelle zum Abenteuer

Mit dem Ruf bist Du bereits auf Deinem Weg. Der Ruf markiert eine Schwelle, denn er befördert uns hinaus in die Welt. Raus aus Stagnation und festen Konstrukten. Einen Übergang zwischen dem Bekannten und dem, was noch nicht greifbar ist. Diese Schwelle bewusst zu betreten heißt, innezuhalten, wahrzunehmen und sich einzulassen. Ohne sofort wissen zu müssen, wohin der Weg führt. Es bedeutet, sowohl den Wunsch als auch die Hindernisse auf dem Weg ernst zu nehmen. In diesem Spannungsfeld beginnt Entwicklung.

Und Entwicklung kann auch negiert werden, indem ich mich wieder gemütlich auf meinen Sessel zurückfallen lasse. Es braucht Mut und auch Willen dieses Abenteuer anzugehen und für das Leben und die Entwicklung zu gehen und mich und meine Kraft zu investieren. Das macht ein heldenhaftes Selbst aus. Ein Ja zur Entwicklung und zum nächsten Schritt.

Und der Weg ist selten geradlinig. Auf diesem Weg begegnen uns auch alle Widerstände, die zurück wollen in das Gewohnte, scheinbar Sichere. Diese Widerstände bezeichnen wir auch als Dämon:innen. Und diese Widerstände haben gute Gründe, denn unser Ruf ist auch verletzlich. Sich dem Wunsch und der Entwicklung zuzuwenden kann alte verletzliche Erfahrungen berühren.

In unseren inneren Tiefen haben nicht nur Ungeheuer ihre Heimat, sondern auch die Götter, die Göttinnen, die Helden, die Feen; und zudem sind sogar die im Unbewussten lebenden Ungeheuer selber mythologische Wesen, da sie weiterhin jene Aufgaben erfüllen, die ihnen in allen Mythologien zukamen, das heißt letztendlich: dem Menschen zu helfen, dass er sich selbst befreie und seine Initiation vollende. (M. Eliade, Ewige Bilder und Sinnbilder, 15)

Eine Kraftquelle

Der Ruf unseres Herzens ist mehr als ein Anfang. Er ist auch eine Kraftquelle. In ihm liegt eine Bewegung hin zu Kontakt, Lebendigkeit und Verbindung. Eine innere Ausrichtung, die uns trägt. Auch dann, wenn der Weg herausfordernd wird.

Wenn wir uns mit diesem Ruf verbinden, entsteht etwas Entscheidendes: Wir erleben uns nicht mehr nur als Reagierende auf äußere Umstände, sondern als Mitgestaltende unseres eigenen Weges. Diese Erfahrung von Wirksamkeit – von „Ich bin beteiligt“ – ist ein wesentlicher Bestandteil von Heilung und Entwicklung.

Bist Du bereit Deinem inneren Ruf zu folgen?
Komm mit auf Deine Held:innenreise und erlebe Deinen eigenen Mythos! Ein heiliges Abenteuer.

Sein neues Denken befreit den Menschen von der Unmittelbarkeit der umgebenden Welt. Ihr bannender Eindruck wird zur bloßen Erscheinung. (Heinrich Zimmer, Maya – Der indische Mythos)

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Wo bist du, mein geliebtes Land,
Gesucht, geahnt, und nie gekannt?
Das Land, das Land so hoffnungsgrün,
Das Land, wo meine Rosen blühn;

Wo meine Freunde wandelnd gehn,
Wo meine Toten auferstehn,
Das Land, das meine Sprache spricht,
O Land, wo bist du? …

Ich wandle still, bin wenig froh,
Und immer fragt der Seufzer, wo?
Im Geisterhauch tönt’s mir zurück,
„Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück.

Text: Georg Philipp Schmidt, 1806
Musik: Franz Schubert, D489, 1816